Erlebnisbericht der Teilnehmer Gerhard und Barbara Schneider zum Seminar "Digitale Fotografie - Theorie und Praxis" in Bad Tölz im Oktober 2011

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Voller Erwartung und Neugierde fuhr ich als "Anhang" meiner Frau (Eisenbahnerin in Rente) nach Bad Tölz, wo im BSW-Ferienhotel "Isarwinkel" vom 19.10. bis 23.10 2011 das Seminar "Digitale Fotografie – Theorie und Praxis (Anfängerkurs für Senioren)" stattfand.

Meine Vorstellung von einem gemütlichen Seniorenkreis wurde sofort beim ersten Zusammentreffen über den Haufen geworfen. Denn am Abend des Anreisetages wurden nach einer kurzen Vorstellungsrunde die mitgebrachten Laptops mit einer 30-Tage-Version von Photoshop Elements 9 eingerichtet, nachdem vorher das Programm der nächsten vier Tage bekanntgegeben worden war. Die Teilnehmer kamen aus allen Teilen Deutschlands und waren fototechnisch von einer Westentaschen-Digitalkamera bis zur hochwertigen Nikon D700 ausgestattet. Ihre Vorkenntnisse reichten vom einfachen Knipsen bis zum ausgeklügelten Bildgestalten mittels Software am PC.

Wie soll ich hier klarkommen? Ist alles so ernst und sind alle so lerneifrig, dass keine Zeit für Entspannung und "Kurzweil" bleibt? Meine Bedenken wurden postwendend nach der offiziellen Eröffnung in geselliger Runde in der Kellerbar zerstreut.

Vor jede Praxis gehört eine anständige Portion Theorie. Helge Chr. Wenzel, ein begeisterter Fotograf mit dem richtigen Auge, brachte uns in gut gegliederten Lerneinheiten bei, auf was es ankommt, um vom subjektiven Erinnerungsfoto den Schritt oder die Schritte zu einem gestalteten Bild zu gehen. Auch wenn dies sehr trocken klingt, so gelang es Helge mit tatkräftiger Unterstützung von Horst Wengelnik, dem Seminarleiter, die Vorträge so aufzulockern, dass nie der Moment des Abgleitens in eine individuelle innere Ruhepause aufkam. Die Sprach- und Wortgewalt diverser Teilnehmer trug mit treffenden Bemerkungen zum Gelingen dieser Veranstaltung bei. Die ruhigeren Teilnehmer nahmen voller Wissbegier die Bildhaftigkeit der bajuwarischen Sprache zur Kenntnis.

Der zweite Kernpunkt dieses Seminars gehörte der digitalen Bildbearbeitung mittels Photoshop Elements am PC. Hier blühte Horst Wengelnik so richtig auf. Jeder spürte, hier ist Horst in seinem Element. Seine Lerneinheiten waren klar gegliedert, und mit unendlicher Geduld erklärte er immer wieder die Einzelschritte, die aus einem Foto ein gestaltetes Bild erzeugen. An dieser Stelle will ich keine Beispiele bringen, wen es interessiert, der sollte an diesem Seminar teilnehmen. Wichtiger in meinen Augen ist vielmehr die ausgehändigte Dokumentation.

Endlich am dritten Tag nachmittags gestattete das Wetter die ersehnte Fotoexkursion nach Bad Tölz. Unser Zug erinnerte an eine Schafherde: Helge schritt als "Leithammel" voran, wir Teilnehmer folgten ihm mehr oder weniger geordnet. Horst bildete den Abschluss, der die Herde beisammen hielt, er war sozusagen der "Hütehund". Jedes Mal wenn Helge zu seinem Fotoapparat griff, scharten wir uns alle um ihn, um das Motiv, das er ins Auge gefasst hatte, ebenfalls in Augenschein zu nehmen und ein Bild, nach seinen Ratschlägen schon etwas gestaltet, aufzunehmen. Horst unterstützte ihn, indem er manchen etwas langsamen Teilnehmern mit Rat zur Seite stand. Dann kam der große Moment: Wir wurden aus der Obhut entlassen und konnten das Erlernte völlig selbständig in die Tat (Bilder) umsetzen. Nach der Rückkehr ins Hotel sollte jeder Teilnehmer ausgewählte Bilder an Helge anonym übergeben, der sie in einer schweren Nachtschicht begutachtete und in einer gelungenen Dokumentation auf die Stärken und Schwächen und auf Verbesserungsmöglichkeiten hinwies. Diese Bildbeurteilung erhielten alle Teilnehmer. So konnte jeder aus seinen Bildern und denen der anderen die Fehler erfahren, der höchste Lerneffekt wurde erreicht: Aus eigenen Fehlern lernen!

Da auch diese Dokumentation anonym blieb, verlor kein Teilnehmer sein "Gesicht", wenn die Beurteilung nicht so positiv war. Vor allem wurde keine öffentliche Manöverkritik vorgenommen, jeder konnte die Beurteilung in seinem Zimmer oder auch erst zu Hause ansehen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Hotel: Unterbringung und Verpflegung entsprachen oder übertrafen unsere Erwartungen. Hervorheben möchte ich die gute Auswahl an Weinen und die schnelle Bedienung abends in der Keller-Wein- und Bierstube. Dies trug erheblich zum Wohlbefinden und zur Erholung nach einem strammen Arbeits-/Lerntag bei.